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Ein Kummerkasten, viele Pflaster und eine Bucket-List

Heute haben wir mit den Kindern ein schwieriges Thema besprochen. Die Sorge um unseren Hort-Hund Miley war in letzter Zeit sehr groß und auch bei den Kindern deutlich spürbar. Denn leider ist es bei Miley zu einer Ruptur im Herzen gekommen, sodass ihre Lebenserwartung drastisch gesunken ist. Zunächst gab es die Hoffnung auf eine minimalinvasive Operation, doch die Herzerkrankung ist unerwartet schnell vorangeschritten, sodass der nötige Eingriff nun am offenen Herzen stattfinden müsste und damit zu riskant ist.

Für die Kinder war das Bangen und Hoffen keine leichte Zeit und mit vielen Fragen und Ängsten verbunden. Sie möchten helfen und vor allem einfach ihre alte Miley zurückhaben, so wie sie sie kennen. Uns ist es wichtig, die Kinder in dieser Zeit bestmöglich pädagogisch zu begleiten, denn für einige Kinder ist Miley nicht einfach nur ein Hund, der hin und wieder einmal da ist, sondern eine gute Freundin, die sie tröstet, ihnen Freude bereitet und ihnen vor allem vorurteilsfrei und offen begegnet.

Heute gab es daher einen freiwilligen Erzählkreis – freiwillig, weil es wichtig ist, unterschiedlichen Formen der Verarbeitung Raum zu lassen. Im Vorfeld wurden Fragen, Sorgen und Wünsche der Kinder gesammelt und im Erzählkreis besprochen. Gemeinsam haben wir eine Bucket-List erstellt – mit vielen schönen Ideen und Wünschen, die wir unbedingt noch ein letztes Mal mit Miley erleben möchten.

Außerdem haben wir unseren Kummerkasten mit Pflastern beklebt. Jedes Pflaster steht für eine Sache die helfen kann, wenn es einem nicht gut geht (wie zum Beispiel: Bilder malen, kuscheln, reden, Sport, Musik,...). So hat jedes Kind den Kreis mit einer eigenen Idee verlassen, die auch in anderen schwierigen Momenten des Lebens zum Tragen kommen kann.

Wir genießen nun gemeinsam die verbleibende Zeit, die sich jetzt umso wertvoller anfühlt.

Wir Erwachsenen möchten Kinder verständlicherweise so lange wie möglich vor Herausforderungen, Schicksalsschlägen und schwierigen Erfahrungen schützen. Kinder nehmen jedoch sehr genau wahr, wenn sich etwas verändert oder nicht in Ordnung ist.

Aus pädagogischer Sicht ist es daher besonders wichtig, Kinder mit ihrer Wahrnehmung nicht allein zu lassen, sondern ihre Beobachtungen ernst zu nehmen und ihnen passende Worte für das Geschehen anzubieten. Kinder haben das Recht darauf, altersgerecht und verständlich informiert zu werden und Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.

Gleichzeitig bietet es Kindern eine wichtige Chance zur Entwicklung, wenn sie auch in belastenden Situationen begleitet werden. Sie können so erleben, dass schwierige Gefühle aushaltbar sind und dass sie mit Unterstützung vertrauter Bezugspersonen Wege finden können, damit umzugehen.

Für Erwachsene ist es in solchen Momenten häufig herausfordernd, die Gefühle der Kinder mitzuhalten, ohne unmittelbar etwas verändern zu können. Gerade diese Spannung kann als besonders belastend erlebt werden und verleitet schnell dazu, Kinder “raushalten” zu wollen.

Mit dem heutigen Gesprächskreis ist es uns gelungen, auf die Gedanken und Gefühle der Kinder einzugehen und ihnen etwas an die Hand zu geben, worauf sie bei Bedarf zurückgreifen können.